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1914/18 badisch direkt …: Kriegserinnerungen des Landwehrmannes Emil Steinle

Autor: Jürgen Scheurer und Markus Kiefer | Verlag: Helios |ISBN: 978-3-86933-189-8

1914/18 badisch direkt …: Kriegserinnerungen des Landwehrmannes Emil Steinle

Emil Steinles Aufzeichnungen liefern "badisch direkt" ein ungeschminktes, authentisches Bild des Ersten Weltkrieges "von unten". Die nüchterne, offene und häufig pointierte Sicht eines einfachen badischen Soldaten auf den mörderischen Stellungskrieg im Westen, den entbehrungsreichen Bewegungskrieg auf dem Balkan und seinen Soldatenalltag sind das Besondere dieser Kriegserinnerungen. Im August 1914 zieht der Landwirt Emil Steinle als badischer Landwehrmann im Alter von 36 Jahren in den Ersten Weltkrieg – im Gegensatz zu vielen anderen ohne "Hurra" und Illusionen. Zunächst ins Elsass, dann nach Flandern und Nordfrankreich, 1915/16 auf den Balkan nach Serbien, 1917 dann wieder nach Nordfrankreich. Emil Steinle muss ein besonnener, heimatverbundener Mann mit nüchternem Realitätssinn, guter Beobachtungsgabe, trockenem Humor, zeichnerischem Talent und Selbstbewusstsein gegenüber selbstherrlichen Offizieren gewesen sein. Seine Kriegserinnerungen "schlummerten" fast 100 Jahre in einer Schublade: 5 Schulhefte, die Seiten fein säuberlich mit Bleistift in deutscher Sütterlinschrift beschrieben.

Rezensionen (1)

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Patrick Schlenz

Patrick Schlenz

Verfasst am: 17.11.2017 |

1914/18 badisch direkt

Als "Badner" habe ich mich sehr auf das Buch gefreut, in welchem erstmals die Aufzeichnungen der Erlebnisse von Emil Steinle während Seiner Zeit als Soldat im 1. Weltkrieg veröffentlicht werden.

Emil Steinle hat sich anscheinend während seines Militärdienstes im 1. Weltkrieg Notizen gemacht, mit deren Hilfe er dann entweder während seiner Heimaturlaube oder in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg seine Erlebnisse in 5 Schulheften niedergeschrieben hat. Nach der Niederschrift waren diese Aufzeichnungen über 90 Jahre in Vergessenheit geraten, bis seine Nachkommen sich dazu entschlossen, diese Erinnerungen zu veröffentlichen.

Das Buch hat ca. 120 Seiten und ist mit einigen Zeichnungen, die Emil Steinle angefertigt hat, versehen. In einfacher Sprache schildert Steinle seine Erlebnisse, dabei erweist er sich als guter Beobachter, der es versteht das Erlebte gut auszudrücken. Darüber hinaus hat er ein Gefühl für Stimmungen und kann sich dabei sprachlich mit seinen einfachen Mitteln sehr prägnant ausdrücken. Er schafft es unabsichtlich stilistische Stilmittel einzusetzen, für die manche Autoren erst einmal Germanistik studieren müssen. Als Beispiel sei an dieser Stelle das im Nachwort auf Seite 106 aufgeführte Oxymoron genannt: "... die Stimmung in den Dörfern war eine begeisterte Niedergeschlagenheit."

Diese Tagebuchaufzeichnungen schildern den Alltag eines gemeinen Soldaten, der an vielen Fronten und verschiedenen Kriegsschauplätzen das ganze Grauen des Krieges erlebt und überlebt hat. Dabei entpuppt er sich beim Lesen als tapferer Kämpfer, der jedoch weniger aus ideologischen Gründen, sondern mehr um des Überlebenswillens im Kampf bestand. Er legte großen Wert auf die Darstellung der Kameradschaft, insbesondere mit seinen badischen Mitkämpfern und freute sich, im Feld auf Landsleute zu treffen, wie beispielsweise gegen Ende des Kriegs auf den Oberpostdirektor Gscheidle aus Freiburg.

Er beschreibt mit eher beiläufigem Unterton das Grauen des Kriegs und die Gleichgültigkeit, die sich ausbreitet, wenn man permanent mit dem Tod konfrontiert wird und dieser schließlich wie selbstverständlich zum Dasein dazugehört. So schildert er beispielsweise auf Seite 30: "... in der Scheune lag ein toter Bauer, ein Granatsplitter hatte ihm den Schädel gespalten..... vor dem Wohnhause lag eine tote Frau.... Wir suchten nach Essbarem und störten uns nicht."

Dazu beschreibt er die Verrohung des Menschen in der abgestumpften Atmosphäre des Grabenkriegs, wie beispielsweise das Plündern der gefallenen Gegner oder der Umgang mit Gefallenen. Die eigenen Kameraden wurden ordentlich bestattet die gegnerischen Toden "...wurden vielfach nur über die Böschung geworfen."

Steinle berichtet aber auch ganz selbstverständlich von Plünderungen bei der Zivilbevölkerung, die beispielsweise in Serbien, wo die Soldaten laut seiner Aussage "ähnlich wie im Dreißigjährigen Krieg" lebten. Im Gegensatz dazu führte er mehrfach aus, dass man in Frankreich und Belgien Dinge, die man haben wollte, kaufte und nicht stahl.

Er berichtet auch vom Etappeneben nach einer Erkrankung in Berlin, wo er Gelegenheit hatte Museen zu besuchen, die ihn als Hobbyzeichner sehr interessierten. Im Buch sind, wie bereits erwähnt, einige seiner Zeichnungen zu sehen, die durchaus seine künstlerische Begabung auf diesem Gebiert erahnen lässt.

Wieder zurück an der Westfront schildert er einen der ersten Panzerangriffe. Interessant ist dass er dabei, dass er mit seiner Beobachtungsgabe exakt beschreibt, was den Angreifern widerfuhr und dass er die selben Schlüsse aus dem fehlgeschlagenen Angriff zog, wie nach dem Krieg die geschulten Militäranalytiker.

Am Ende des Krieges und glücklich zurück in der Heimat schrieb dieser einfache Mann aus dem Badischen: "Warum sollen sich Menschen morden, die sich noch nie gesehen und warum sich Völker befehden, die besser friedlich nebeneinander gedeihen würden? Leider wird auch die Menschheit aus diesem Kriege nichts lernen." Diesen Sätzen ist nichts hinzuzufügen.

Diese Tagebuchaufzeichnungen, die das Überleben eines einfachen Soldaten im 1. Weltkrieg beschreiben, ist ein wichtiges Zeitdokument, das es mehr als wert ist, veröffentlich zu sein.